Alfred Wegener: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane (1929)

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148 7. Paläoklimatische Argumente.

Die Verschiebungstheorie vervollständigt diesen Beweis nur noch durch Hinzuziehung der außereuropäischen Glieder dieses großen Kohlengürtcls, deren heutige Lage ohne Berücksichtigung der Kontinentverschiebungen zu Widersprüchen führt.

Die Gleichheit der Flora und damit auch der klimatischen Entstehungsbedingungen ist heute für die großen Karbonkohlenlager von Nordamerika, Europa, Kleinasien und China allgemein anerkannt. Da die europäischen notwendigerweise in der äquatorialen Regenzone entstanden sein müssen, so muß also das gleiche auch für die anderen Glieder dieses Gürtels gelten. Ihre heutige Anordnung liefert nun einen direkten Beweis für die Verschiebungstheorie, denn sie entspricht heute nicht der Forderung, daß alle diese Lager auf einem Großkreis liegen müssen. Zur Erläuterung geben wir in Abb.37 die von Kreichgauer [5] gezeichnete Erdkarte für das Karbon mit dem von ihm angenommenen Äquator; wir sehen hier das Bild, zu dem man ohne die Verschiebungstheorie kommen würde: Für Europa, Afrika und Asien stimmt es mit dem unserigen ungefähr überein. Aber der Äquator geht auf ihm nicht durch den Osten der Vereinigten Staaten, wohin er nach den Klimazeugnissen gehört, sondern durch Südamerika, wo er nicht gelegen haben kann, da hier, kaum 10 von ihm entfernt, das Inlandeis sich ausbreitete. Natürlich ist auch wieder die Unverträglichkeit der Lage Vorderindiens und Australiens mit ihren Inlandeisspuren hier besonders in die Augen fallend.

Auch die große Mächtigkeit der Kohlenschichten im Hauptkohlengürtel des Karbons, die sie so wertvoll macht, paßt ausgezeichnet zu ihrer Entstehung in der äquatorialen Regenzone. Viel weniger mächtig sind die Kohlenschichten, die sich auf den Südkontinenten im Perm allenthalben auf den Grundmoränen des abgeschmolzenen Inlandeises bildeten (vgl. Abb. 36). Die zugehörige Flora, die nach dem Krautfarn Glossopteris benannt wird, war eine kühle. Hier handelt es sich um Moore der südlichen subpolaren Regenzone ganz gleicher Entstehung wie die der quartären und postquartären Torfmoore Nordeuropas und Nordamerikas. Auch diese Kohlenformation und die Glossopterisflora erfordern einen Zusammenschluß dieser Gebiete, die heute einen für ihr damaliges Klima viel zu großen Raum einnehmen.

Auch die übrigen Klimazeugen aus dem Karbon und Perm bestätigen unsere in Abb. 35 und 36 dargestellten Ergebnisse, wobei


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Das Original des Werkes wurde freundlicherweise von der Universitätsbibliothek Köln zur Verfügung gestellt. Einscannen, Bearbeitung und OCR durch Kurt Stüber, Oktober 2003.
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© Kurt Stueber, 2003