Alfred Wegener: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane (1929)

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7. Paläoklimatische Argumente.

eine Kappe von etwa 30 Radius auf der Erdoberfläche ein. Die gleichzeitigen Zeugnisse für Polarklima sind also jetzt auf das gleiche Areal beschränkt wie im heutigen Klimasystem. Das ist eine Bestätigung unserer Annahmen, wie sie besser nicht gewünscht werden kann1).

Wie kommt es nun, daß den vielen Zeugnissen vom Inlandeis am Südpol keine solchen aus der nördlichen Polarkappe gegenüberstehen? Die Erklärung liegt darin, daß der Nordpol im Stillen Ozean lag an einer Stelle, die von allen Kontinenten weit entfernt war.

Abb. 35.

Eis, Moore und Wüsten im Karbon.

E = Eisspuren; K = Kohlen; S = Salz ; G = Gips; W = Wüstensandstein ; schraffiert = Trockengebiete. Nach Koppen-Wegener

Von der Mitte des Vereisungsgebietes aus als Südpol ist in den Abbildungen auch der zugehörige Äquator, die Breitenparallele von 30 und 60 nördlicher und südlicher Breite und der Nordpol eingetragen. Diese Kurven erscheinen natürlich in der Projektion der Abbildung außerordentlich verzerrt; der Äquator, in Wirklichkeit ein Großkreis auf der Kugel, ist durch die gebogene, etwas stärkere Linie dargestellt. Wie liegen nun hierzu die übrigen Klimazeugnisse?

l) Mit Unrecht wird eingewendet: Da die Vereisungen der Südkontinente nicht ganz gleichzeitig waren, käme man auch mit der heutigen Lage der Kontinente aus, wenn man nur eine (allerdings sehr große und rasche!) Polwanderung dazunimmt. Aber die erste Vereisung Australiens fand schon im Karbon, gleichzeitig mit der von Südamerika und Südafrika, statt, und bei der Riesenwanderung des Südpols müßte der Nordpol Mexiko gequert haben, wo doch heißes Wüstenklima herrschte. Und alle übrigen, über die Erdoberfläche verteilten Klimazeugen widersprechen so starken Polwanderungen auf das bestimmteste.


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Das Original des Werkes wurde freundlicherweise von der Universitätsbibliothek Köln zur Verfügung gestellt. Einscannen, Bearbeitung und OCR durch Kurt Stüber, Oktober 2003.
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© Kurt Stueber, 2003