Alfred Wegener: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane (1929)

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7. Paläoklimatische Argumente.

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die mehr oder minder vereisten Polarkappen. Die Zone warmen Meereswassers ist ganz zwischen den beiden Breitenparallelen von etwa 28 oder 30 N und S eingeschlossen. Alle Isothermen zeigen das Vorherrschen einer zonalen Anordnung der Klimate, doch bestehen charakteristische, durch die Verteilung von Land und Wasser erzeugte Abweichungen: Die 10-Isotherme des wärmsten Monats,

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die bekanntlich mit der Baumgrenze erstaunlich eng zusammenfällt, liegt auf Landgebieten in höherer Breite als auf dem Meere, weil das Land größere Jahresschwankung besitzt als letzteres. Die Jahresmitteltemperatur von -- 2, die ungefähr der Grenze ewig gefrorenen Bodens entspricht, hat einen anderen Verlauf. Wo sie in höherer Breite liegt als die Baumgrenze, repräsentiert sie zugleich

Abb. 33.

Heutige Höhe der Schneegrenze in den verschiedenen Breiten.

das Klima, welches Inlandeis erzeugt (Grönland, Antarktika); wo sie in niedrigerer Breite liegt, wie in Sibirien, haben wir Wald auf gefrorenem Boden. Alles Inlandeis ist auf Breiten von mehr als 60 beschränkt.

Als Ergänzung geben wir noch in Abb. 33 eine Darstellung der Höhenlage der Schneegrenze in den verschiedenen Breiten nach Paschinger [157] und Koppen [158]. Sie .erreicht ihre größte Höhe von über 5000 m in den Roßbreiten. Die Darstellung gilt für Einzelberge oder Bergketten. Bei ausgedehnten Hochländern liegt die Schneegrenze erheblich höher.

Die geologischen und biologischen Wirkungen dieses Klimasystems sind sehr mannigfaltige. Wir wollen sie gleich zusammen mit den bisher verfügbaren fossilen Klimazeugnissen besprechen.

Vielleicht die wichtigsten Klimazeugnisse, wenn auch etwas gefährlicher Art, sind die Spuren, welche frühere Inlandeisdecken


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Das Original des Werkes wurde freundlicherweise von der Universitätsbibliothek Köln zur Verfügung gestellt. Einscannen, Bearbeitung und OCR durch Kurt Stüber, Oktober 2003.
Dieses Buch ist Teil von www.biolib.de der virtuellen biologischen Fachbibliothek..
© Kurt Stueber, 2003