Alfred Wegener: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane (1929)

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114 6. Paläontologische und biologische Argumente.

mann finden, der sie zusammenfassend unter diesem Gesichtspunkt bearbeitet!

In der Frage der ehemaligen Landverbindungen Neuseelands scheint noch nicht völlige Klarheit zu herrschen. Es war schon oben (S. 91) darauf hingewiesen, daß ein großer Teil der Inseln erst durch die jurassische Faltung trockengelegt wurde. Damals bildete Neuseeland wohl großenteils noch einen Randschelf Australiens, der, an der Vorderseite der Verschiebung gelegen, der Faltung unterlag. Nach Süden hatte Neuseeland Anschluß an die Westantarktis und über diese an Patagonien, v. Ihering schreibt [122]: ĄZur Zeit der oberen Kreide und im Beginn des Alttertiärs stand den Wanderungen mariner Tiere von Chile nach Patagonien und umgekehrt, sowie nach Grahamland und anderen Teilen der Antarktis bis nach Neuseeland hin der Weg offen." Die Landflora der damaligen Zeit war nach Marshall [141] auf Neuseeland kein Vorläufer der heutigen, sondern es fanden sich Eichen und Buchen, die vermutlich auf dem Wege über die Westantarktis, demselben, den die Flachseetiere genommen haben, von Patagonien herübergekommen waren. Damals konnte also wohl keine unmittelbare Landverbindung zwischen Australien und Neuseeland bestehen. Im Laufe der Tertiärzeit muß diese aber offenbar, wenigstens beschränkte Zeit hindurch, bestanden haben, so daß die heutige Flora einwandern konnte. Daß die Inseln in der Vorzeit jedenfalls Flachseeverbindung mit Australien gehabt haben, geht nach Brönd-sted [142] auch aus der Untersuchung der Schwämme hervor. ' Von besonderem Interesse für die Frage der neuseeländischen Landverbindungen ist eine Arbeit von Meyrick über die Microlepido-pteren [143]. Außer interessanten Beziehungen zwischen Afrika und Südamerika, welche die oben skizzierten Ergebnisse durchaus bestätigen, findet er, daß eine sowohl in Südamerika wie in Australien durch zahlreiche Arten vertretene Gattung (Machimia) in Neuseeland ganz fehlt; und andererseits kommt die Gattung Crambus gerade umgekehrt in Neuseeland (mit 40 endemischen Arten) und in reicher Ausbildung auch in Südamerika vor, während sich in Australien nur zwei Arten davon finden. Mit anderen Worten: Im ersten Falle erscheint Südamerika mit Australien verbunden und Neuseeland ganz ausgeschlossen, und im zweiten Falle erscheint Südamerika mit Neuseeland verbunden und Australien fast ganz ausgeschlossen. Dies wie auch die oben angeführten Tatsachen zeigen wohl nur so viel, daß es von Südamerika aus zwei getrennte Wander-


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Das Original des Werkes wurde freundlicherweise von der Universitätsbibliothek Köln zur Verfügung gestellt. Einscannen, Bearbeitung und OCR durch Kurt Stüber, Oktober 2003.
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© Kurt Stueber, 2003