Alfred Wegener: Die Entstehung der Kontinente und Ozeane (1929)

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26 3. Geodätische Argumente.

hervor, daß die Fehlerquellen weder einzeln noch vereinigt genügen, um den Unterschied von 1190m zu erklären, der zwischen der Lage von Haystack nach den Bestimmungen der Danmarkexpedition und der Germaniaexpedition (1869 bis 1870) besteht. Die einzige Fehlerquelle, die in dieser Verbindung überhaupt in Betracht kommt, ist die astronomische Längenbestimmung. Aber um die Abweichung durch die fehlerhafte Lage des Observatoriums zu erklären, müßten wir den wirklichen Fehler der astronomischen Längenbestimmung vier- bis fünfmal größer annehmen als dessen mittleren Fehler ..." Da auch schon Sabine im Jahre 1823 die Länge in Nordostgrönland bestimmt hat, so lagen dort im ganzen sogar drei Bestimmungen vor. Freilich sind diese ältesten Messungen nicht ganz an derselben Stelle ausgeführt; Sabine beobachtete am Südufer der nach ihm benannten Insel, und leider bestehen hier auch noch gewisse, freilich nicht sehr wichtige Unsicherheiten über den genauen Beobachtungsort, der nicht markiert wurde. Borgen und Copeland beobachteten auf der Germaniaexpedition 1870 ebendort, aber einige 100m östlicher, Kochs Beobachtungen dagegen sind weit nördlicher, am Danmarkshavn auf Germanialand angestellt, wurden aber durch ein Dreiecksnetz mit der Sabineinsel verbunden. Die aus dieser Übertragung entspringende Un-genauigkeit wurde von Koch genau untersucht mit dem Ergebnis, daß sie gegenüber der viel größeren Ungenauigkeit der Längenbestimmung selber vernachlässigt werden darf. Die Beobachtungen liefern folgende Vergrößerungen des Abstandes zwischen Nordostgrönland und Europa:

im Zeitraum von 1823 bis 1870 . . . 420m oder 9m pro Jahr 1870 1907. .. 1190m 32m

Und die mittleren Fehler der drei Beobachtungsreihen betragen:

1823........etwa 124m

1870.......... 124m

1907........ 256m

Nun hat allerdings Burmeister [173] mit Recht eingewendet, daß im vorliegenden Falle, wo es sich um Mondbeobachtungen handelt, der mittlere Fehler nicht wie in anderen Fällen die Realität verbürgen kann, vor allem, weil bei Mondbeobachtungen auch systematische Fehler auftreten können, die im mittleren Fehler nicht zum Ausdruck kommen, und die im ungünstigsten Falle ihrer


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Das Original des Werkes wurde freundlicherweise von der Universitätsbibliothek Köln zur Verfügung gestellt. Einscannen, Bearbeitung und OCR durch Kurt Stüber, Oktober 2003.
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© Kurt Stueber, 2003